Das 7-Phasen-Modell

von Andreas Reisner

Das 7-Phasen-Modell ist ein holistischer Arbeitsansatz für komplexe Transformationsprozesse, der unter anderem auf Arbeiten von Birgit und Ward Williams basiert.

Dieses Modell ermöglicht es, gleichzeitig das Ganze und das relevante Detail in  Veränderungsprozessen sichtbar zu machen. Das bedeutet, es hilft den Verantwortlichen und allen Beteiligten, in jeder Situation des Prozesses die für die Entscheidungen relevanten Größen zu erkennen:

Das 7-Phasen-Modell strukturiert Prozessverläufe nach Fortschrittsphasen. Es sorgt dafür, dass in einer jeden Phase genau die Informationen generiert und die Voraussetzungen geschaffen werden, die für die Übergangsentscheidung zur nächsten Phase unbedingt notwendig sind, nicht mehr aber auch nicht weniger.

(Das Invest-Prozedere  für technische Großinvestitionen in internationalen Konzernen ist ähnlich aufgebaut, allerdings überwiegt hier die technische Seite, die sozialen und menschlichen Aspekte werden in der Regel vernachlässigt, was dann auch oft zu Problemen führt).

Die 7 Phasen in ihrer zeitlichen Reihenfolge lauten:

  1. Die persönliche Reife entwickeln
  2. Den Auftrag formulieren
  3. Die Voraussetzungen klären
  4. Die Bereitschaft wecken
  5. Die Zukunft entwerfen
  6. Das Neue realisieren
  7. Das Momentum bewahren

Sie bauen inhaltlich aufeinander auf. Jede Phase bildet den Boden, genauer gesagt den Container aller ihr folgenden Phasen. Aus diesem Grund kann auch immer wieder Arbeit an früheren Phasen erforderlich werden.

Organisationskompass als Strukturierungshilfe

In jeder einzelnen Phase wird die konkrete Vorgehensweise durch den Organisationskompass strukturiert. Man arbeitet dazu die Dimensionen des Organisations-Kompasses in der bekannten Reihenfolge durch, vom Sinn über Führung/Werte, Vision, Gemeinschaft/Beziehungen, Management und Ganzheit  bis hin zur eingehenden Betrachtung des Umfeldes.

Durcharbeiten heißt, man formuliert phasenspezifisch die relevanten Fragen je Teilaspekt und sucht dann gemeinsam nach den Antworten bzw. entdeckt gemeinsam Wissenslücken oder Kompetenzschwächen, die noch zu beheben sind. Der Organisationskompass liefert dabei sowohl die Disziplin für die Projektarbeit als auch die Begrifflichkeit/Semantik für eine eindeutige Kommunikation innerhalb des gesamten Prozess-Geschehens.

Partizipation als Gestaltungsprinzip

Eine möglichst umfassende Beteiligung der Betroffenen bei wirklich jedem einzelnen Arbeitsschritt und eine förderliche Arbeits-Atmosphäre sind die Voraussetzungen dafür, dass das gesamte kollektive Wissen der Organisation erschlossen werden kann. Und da die Menschen in der Organisation so bereits bei der Aufdeckung der Defizite von Anfang an beteiligt waren, ist weniger Überzeugungsarbeit für die anschließenden Korrekturmaßahmen erforderlich.

Als Arbeitsformate im Transformations-Prozess bieten sich  Holistische Moderation und alle partizipativ konzipierten (Groß)Gruppen-Settings an, d.h. alle Arbeitsformen, die auf dem dialogischen Prinzip beruhen.

Damit sind die drei Komponenten eines gelingenden Transformations-Prozesses benannt:

  • das 7-Phasen-Modell für die übergreifende Prozess-Architektur
  • der Organisations-Kompass als Taktgeber für die Interventionsabfolge
  • die Forderung nach einer immer wieder neuen, kreativen Verknüpfung von Menschen, Methoden und Prozessschritten in den einzelnen Interventions-Designs.

Natürlich ist der elegante, schlanke Spiral-Prozess über sieben Phasen eine Abstraktion. Jeder reale Veränderungsprozess hat seine jeweils spezifischen Schwerpunkte und damit sein unverwechselbares,  individuelles Prozess-Profil. Der verantwortliche Prozess-Begleiter erkennt aber sehr leicht das darin verborgene Muster und kann seine nächsten Interventionen entsprechend wählen und sehr genau platzieren. Transformations-Prozesse bekommen damit zumindest partiell eine bisher nicht gekannte Plan- und Steuerbarkeit. Der Prozessbegleiter oder verantwortliche Manager gewinnt dadurch Freiräume und zusätzliche Kapazitäten für all das, was ohnehin  noch an nicht Planbarem auftritt.

Und das Beste zuletzt

Der Mut zur Partizipation wird nach unseren Erfahrungen fürstlich belohnt:

  • die Erfolgsquote derartig geführter Prozesse liegt weit über den mageren 10% - 30% von Projekten, die Top-Down in ein Unternehmen gepresst werden.
  • die Zufriedenheitsquote bei den Mitarbeitern liegt weit höher als die katastrophalen 13%, die z.Z. von GALLUP in deutschen Großbetrieben gemessen werden.

Das 7-Phasen Modell ist ein Kernstück der Module 4 und 5 der werkstatt.